Zusammenarbeit mit Deutschland
Das Bureau Acute Zorg Euregio ist die Geschäftsstelle der sogenannten Regionalkonferenz für die Akutversorgung (ROAZ) in den niederländischen Regionen Twente und Oost-Achterhoek. Eine ROAZ ist eine gesetzlich geregelte Kooperationsplattform, in der alle Einrichtungen, die an der medizinischen Notfallversorgung beteiligt sind – darunter Krankenhäuser, Rettungsdienste, Hausärzte und Pflegeeinrichtungen – verpflichtend zusammenarbeiten.
Aufgabe der Geschäftsstelle ist es, die Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen diesen Partnern zu koordinieren, insbesondere im Hinblick auf Aufnahme, Verlegung und Entlassung von Patient*innen, die eine akute Versorgung benötigen.
Obwohl die ROAZ in den Niederlanden eine gesetzlich vorgeschriebene Struktur ist, handelt es sich nicht um eine staatliche Behörde. Es ist vielmehr eine partnerschaftliche Vereinigung auf gesetzlicher Grundlage.
Seit 2012 arbeitet die ROAZ daran, die grenzüberschreitende Notfallversorgung in der Euregio zu optimieren. In Zusammenarbeit mit deutschen und niederländischen Krankenhäusern, Rettungsdiensten, Leitstellen und Sicherheitsregionen wurde die Zusammenarbeit im Grenzgebiet dank verschiedener (Interreg-)Pilotprojekte weiter ausgebaut, und derzeit wurde eine nachhaltige Struktur für die verschiedenen grenzüberschreitenden Projekte im Bereich der Notfallversorgung eingerichtet.
Im Zeitraum 2015-2018 haben wir im Rahmen des Interreg-Projekts PREpare eine Reihe laufender Kooperationen festgelegt und neue Projekte gestartet – siehe auch die folgenden Punkte.
Lenkungsgruppe für grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Eines der Ergebnisse von PREpare ist, dass zweimal jährlich eine Lenkungsgruppe für grenzüberschreitende Zusammenarbeit zusammentritt. Die Mitglieder sind die Geschäftsleitungen von Medisch Spectrum Twente (Enschede), Streekziekenhuis Koningin Beatrix (Winterswijk), Klinikum Westmünsterland (Standorte u. a. in Ahaus, Bocholt und Borken), St. Antonius-Hospital Gronau, EUREGIO-Klinik Nordhorn, die niederländische Rettungsdienste Ambulance Oost, und Witte Kruis, sowie Vertreter des Kreises Borken (Nordrhein-Westfalen), des Landkreises Grafschaft Bentheim (Niedersachsen), des GHOR Twente und der Sicherheitsregion Nord- und Ost-Gelderland. Diese Lenkungsgruppe wird von AZE moderiert.
Traumazentrum MST
Seit 2010 ist das MST als erstes niederländisches Krankenhaus von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) als überregionales Traumazentrum zertifiziert. Damit erfüllt das MST die deutschen Standards für die Traumaversorgung. Das bedeutet, dass schwerverletzte deutsche Patienten aus der Grenzregion auch im MST von einem Traumateam versorgt werden.
Seit 2015 besteht für Kinder aus der Umgebung von Gronau die Möglichkeit, sich im Frauen- und Kinderzentrum des MST notfallmedizinisch behandeln zu lassen. Zuvor mussten diese Kinder längere Anfahrtswege in Anspruch nehmen, um akute klinische Versorgung innerhalb Deutschlands zu erhalten. Jährlich werden etwa 25 Kinder aus der Umgebung von Gronau im MST behandelt.
Seit 2020 ist MST Mitglied der Gesundheitsregion Euregio e.V., einer deutschen regionalen Netzwerkorganisation von Ärzten, medizinischen Einrichtungen und Organisationen.
Luftrettung
Der Rettungshubschrauber „Christoph Europa 2” der ADAC Luftrettung mit Standort in Rheine steht tagsüber für Einsätze im Osten der Niederlande zur Verfügung. Er wird bei Bedarf von der niederländischen Leitstelle angefordert, wobei der Einsatz mit dem niederländischen Rettungsdienst koordiniert wird. Das Büro für Akutversorgung (Bureau Acute Zorg) moderiert die Arbeitsbesprechungen zwischen der ADAC Luftrettung und den niederländischen Rettungsdiensten Ambulance Oost und Witte Kruis hinsichtlich des Einsatzes auf niederländischem Hoheitsgebiet.
Bei 80 % der Landungen auf dem Hubschrauberlandeplatz des MST handelt es sich um einen deutschen Rettungshubschrauber.
Großschadensereignisse und Krisenmanagement
Alle sechs Monate findet turnusmäßig eine grenzüberschreitende Übung statt, bei der deutsche und niederländische Rettungsdienste und Notaufnahmen in der Region für den Fall trainieren, dass im Nachbarland Hilfe bei einer Katastrophe oder einem Großschadensereignis geleistet werden muss. In den Jahren 2018 und 2024 organisierten wir große, realistische Übungen, bei denen sowohl niederländisches als auch deutsches Material und Opferdarsteller zum Einsatz kamen. Für die übrigen Übungen verwenden wir das sogenannte Emergo Train System (ETS), mit dem die medizinische Versorgung bei einem Großereignis in einer Büroumgebung simuliert werden kann.
Ziel der Übungen ist es, die Rettungskräfte mit den Arbeitsmethoden und Strukturen des anderen Landes vertraut zu machen. Diese Übungen werden von einer grenzüberschreitenden Arbeitsgruppe Krisenmanagement organisiert, an der GHOR Twente, GHOR Noord-Oost-Gelderland, Kreis Borken, Landkreis Grafschaft Borken, Witte Kruis und Ambulance Oost beteiligt sind. Diese Arbeitsgruppe wird von AZE koordiniert. Eines der Ergebnisse der Übungen ist die grenzüberschreitende operative Netzwerkkarte, die unter anderem einen Ablaufplan für die deutsch-niederländische Zusammenarbeit am Einsatzort enthält.
Rettungsdienst
Eine längerfristige deutsch-niederländische Zusammenarbeit im Bereich Rettungsdienst in der Region Oost-Achterhoek wurde 2017 im Rahmen des PREPare-Projekts in einer Vereinbarung zwischen Witte Kruis und dem Kreis Borken festgeschrieben. Diese Vereinbarung sieht vor, dass in Oost-Achterhoek ein deutscher Rettungswagen der Rettungswache Isselburg (Kreis Borken) eingesetzt wird, um die Hilfsfristen für Rettungswagenfahrten in Dinxperlo und Umgebung strukturell zu verbessern. Deutsche Notfallsanitäter werden hierfür speziell vom niederländischen Rettungsdienst Witte Kruis geschult. Wenn ein niederländischer Rettungswagen nicht rechtzeitig verfügbar ist und ein deutscher Rettungswagen rechtzeitig vor Ort sein kann, wird die Leitstelle Apeldoorn die Leitstelle Borken um Unterstützung bitten.
Gelegentliche Rettungswageneinsätze zwischen dem Kreis Borken und dem Landkreis Grafschaft Bentheim sowie den Regionen Twente und Oost-Achterhoek werden bei den Leitstellen in der Nachbarregion angefordert. Rettungswagen aus dem Kreis Borken, die einen Patienten zum MST oder SKB befördern, senden nach der Übergabe des Patienten das Patientenprotokoll digital an das aufnehmende Krankenhaus.
Unter der Moderation von AZE gibt es eine grenzüberschreitende Arbeitsgruppe für Rettungsdienst. Darin beraten sich Ambulance Oost, Witte Kruis, Kreis Borken (Rettungsdienst und Leitstelle), Landkreis Grafschaft Bentheim (Rettungsdienst und Leitstelle) und die Leitstelle des Kreises Steinfurt über Herausforderungen und Lösungen in der täglichen Praxis.
Kooperationsvereinbarungen mit deutschen Krankenhäusern
- Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall oder eine Extremitätenverletzung aus der Gemeinde Dinkelland können in die Euregio-Klinik in Nordhorn eingeliefert werden.
- St. Agnes-Hospital in Bocholt steht Patienten aus einem Teil der Region Oost-Achterhoek zur Verfügung, die bei einem akuten Herzinfarkt dringend eine Dotter- oder Stentbehandlung (PCI) benötigen.
Interreg-Forschungsprojekt URGENT
Ambulance Oost, Witte Kruis, Kreis Borken und Landkreis Grafschaft Bentheim führen unter Begleitung von Acute Zorg Euregio das Projekt URGENT durch. Die Parteien untersuchen, ob es möglich sei, eine digitale Verknüpfung zwischen der Leitstelle Ost-Niederlande, der Leitstelle Ems-Vechte und der Leitstelle Borken herzustellen. Ziel ist es, Positionsdaten des Einsatzortes digital an die Leitstelle im Nachbarland weiterzuleiten. Außerdem wollen wir prüfen, ob es möglich ist, der benachbarten Leitstelle einen aktuellen Überblick über den Verlauf des Vorfalls und relevante Informationen über die betroffenen Patienten – den Notizblock und den medizinischen Notizblock – mit integriertem Übersetzungsmodul zur Verfügung zu stellen. Die Fertigstellung des Projekts ist für Ende Januar 2026 vorgesehen.
Interreg-Forschungsprojekt BRIDGE
Die Universität Twente (UT), die Universitätsklinik Münster (UKM), die Universität Münster (UM), AZE und NovioQ sind Partner im Interreg-Forschungsprojekt BRIDGE. Assoziierte Partner in diesem Projekt sind unter anderem MST, SKB, Kreis Borken und St. Antonius-Hospital Gronau. BRIDGE beruht auf der Prämisse, dass die Grenzregion den Krankenhäusern Möglichkeiten bietet, Ressourcen zu teilen, die derzeit aufgrund der Barrierewirkung der Grenze möglicherweise nicht genutzt werden. Deshalb erfassen wir die Chancen und die derzeitigen Hindernisse und suchen nach Lösungen. Die Ergebnisse des Projekts werden politische Empfehlungen und eine digitale Plattform für die gemeinsame Nutzung von Ressourcen sein.
Interreg-Forschungsprojekt CAREFLOW
Verschiedene niederländische und deutsche Partner, darunter AZE, arbeiten im Interreg-Forschungsprojekt CARE-FLOW unter der Leitung der Universität Twente zusammen. Ziel ist es, Software und Algorithmen zur Verbesserung der Steuerung von Patientenströmen in der Grenzregion und zur Gewährleistung einer effizienten Versorgung zu entwickeln und zu evaluieren.
Memorandum of Understanding Münster-Twente
MST, UT, UKM und UM haben 2023 eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) über die Zusammenarbeit unterzeichnet. Ziel ist es, gemeinsam die Zukunft der medizinischen Versorgung in der deutsch-niederländischen Grenzregion zu gestalten und ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem für die rund 3,4 Millionen Einwohner der EUREGIO zu schaffen. Dieser grenzüberschreitende 360°-Blick ist äußerst wichtig. Die Parteien wollen während fünf Jahren voneinander lernen, sowohl bei der Gestaltung der öffentlichen Gesundheitsversorgung als auch bei der Verbesserung der Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal. Darüber hinaus wollen sie gemeinsam an technischen Fortschritten im medizinischen Bereich arbeiten.
Medisch Spectrum Twente, das Profil-1-Krankenhaus (Traumazentrum), in dem Acute Zorg EUREGIO angesiedelt ist, hat am 17. Mai 2010 als erstes Krankenhaus in den Niederlanden den Status eines überregionalen Traumazentrums der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) erhalten. Damit ist Medisch Spectrum Twente offizielles Mitglied des TraumaNetzwerk NordWest. Dieses TraumaNetzwerk verfügt über ein eigenes Traumaregister; die Teilnahme an diesem Register ist Voraussetzung für diesen Status.
Das dreijährige Projekt PREpare im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Akutversorgung wurde 2018 abgeschlossen. Auf Grundlage der Ergebnisse haben die Projektteilnehmer weiterhin in das euregionale Netzwerk investiert.
Durch eine Lenkungsgruppe, die zweimal jährlich zusammentritt, wurde eine Plattform geschaffen, um die bestehenden Aktivitäten auf strategischer Ebene weiterhin zu unterstützen und neue Initiativen zu entwickeln.
Inhaltlich sind zwei Arbeitsgruppen mit der Gestaltung dieser Aktivitäten befasst. Für bestimmte Aktivitäten ist eine teilweise Finanzierung erforderlich. AZE wurde gebeten, die Lenkungsgruppe und die Arbeitsgruppen in politischer Hinsicht zu unterstützen.
Im Rahmen des PREpare-Projekts ist es uns, auch dank der Interreg-Förderung, gelungen, vier erfolgreiche Kooperationen aufzubauen. Die Partner des euregionalen Notfallversorgungsnetzwerks, das zweimal jährlich zusammentritt, haben ihre Bereitschaft bekundet, diese Kooperationen kontinuierlich zu überwachen und gegebenenfalls zu verbessern. Darüber hinaus werden ständig neue Initiativen inventarisiert, die zur Verbesserung der Akutversorgung in der Euregio beitragen können.
Abschlussbericht PREPpare Abschlussbericht PREpareAnsprechpartner
Ewout Lamé
Beleidsadviseur Grensoverschrijdende samenwerking en communicatieadviseur
Bureau Acute Zorg Euregio
e.lame@acutezorgeuregio.nl
+31 (0)53 487 20 97

